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Bevor wir sie ins Programm aufnahmen, haben wir die Argo zweimal ausführlich getestet. So kann man unsere ersten Segeleindrücke zusammenfassen:

Wenn man an Bord geht, fällt sofort die hohe Kippstabilität der Argo auf. Grund ist die über die gesamte Bootslänge recht breite Wasserlinie und der tief liegende Ballast .

Wir segeln die Argo im Winter 2004/5 mit dem Konstrukteur Marko Pas. Er erzählt uns: "Ich wollte dem Kundenwunsch entsprechend ein Boot entwerfen, das auf ALLEN Kursen schnell und einfach zu segeln ist. Es sollte also nicht wie eine reine IMS-Regattakonstruktion ausschließlich auf die Kurse Kreuz und vor-Wind optimiert sein, sondern eher wie ein kleiner Round-the-Globe-Racer aussehen.

Auf Regattakursen würde die Argo daher insbesondere auf Rund-um-Regatten auftrumpfen. Aber das war gar nicht das primäre Ziel des Designs. Vielmehr spiegeln diese Kurse, also eine gleichmäßige Mischung aus allen segelbaren Kursen, den typischen Einsatz der Boote bei den Kunden wieder. Genau dafür wollte ich das Boot optimieren. Es ist also ein schnelles Tourenboot für den Spaß nach Feierabend und am Wochenende sowie z.B. Yardstickregatten. Gerade wegen der leichten Trailerbarkeit sind aber auch tolle Urlaubsreisen vorstellbar."

Wir können Marko voll und ganz bestätigen: Die Argo geht etwa so hoch an den Winde wie vergleichbare Konstruktionen und fährt dabei im Vergleich sogar eher schneller. Man darf aber keine Höhe kneifen, sondern man lässt sie einfach laufen. Die Höhe kommt dann aus der Fahrt. Bei guten Bedingungen sind über 6 Knoten am Wind mit 90 Grad Wendewinkel möglich.

Gibt man einen Schrick in die Schoten und verlässt den Kreuzkurs, spürt man sofort eine starke Beschleunigung. Dabei nimmt Schräglage und Ruderdruck erstaunlicherweise nicht zu. Damit unterscheidet sie sich klar von Konstruktionen´7 mit schmalerer Wasserlinie oder insgesamt weniger gerade Rumpflinien.

So macht es wirklich Spaß, zu segeln! Auch ohne den Spi zu setzen, kann man schnelles Segeln erleben - und das auf Kursen und bei Bedingungen, wo andere reffen müssten. Dabei bleibt die Argo die ganz Zeit feinfühlig und reagiert brav auf kleinste Ruderbewegungen.

(Später hat sich dann übrigens herausgestellt, dass die Argo das volle Potential hat, Regatten in der Sportsboatclass zu gewinnen. Der Rennwert entspricht etwa der Regattaversion der Skippi 650 - die hat aber nur bei Leichtwind eine Chance gegen die Argo. Die Regattaergebnisse belegen, dass die Argo eher gut mit größeren Booten wie X79 und J´80 mithält. Zurück zum ersten Testsegeln: )

Wir erwischen ein paar ordentliche Böen, ausgerechnet als nur einer von uns im Cockpit in Luv sitzt und die beiden Mitsegler unter Deck in Lee den Spi ordnen. Aber alles geht gut, die Argo nickt nur etwas und zeigt keinerlei Tendenzen zum Ausbrechen oder Durchluven. Durch diese Gutmütigkeit, und weil alles einfach zu erreichen ist, ist die Argo übrigens auch gut für Einhandsegler geeignet!

Auch raumschots und unter Spi bzw. Gennaker überschreitet die Argo mühelos die Rumpfgeschwindigkeit und schnurrt wie auf Schienen dahin. Schon bevor Schaumkronen auf dem Wasser zu sehen sind, also bei ca. 3 Beaufort, kann man mit dem Gennaker über 10 Knoten erreichen - vgl. den Segeltest im Magazin SEGELN.

Als wir uns auf den Rückweg machen, flaut der Wind extrem ab. Jetzt setzt man sich am besten nach Lee und weit nach vorn, um die optimale Krängung beizubehalten und die benetzte Fläche drastisch zu verringern. So gesegelt zeigt die Argo sehr gute Leichtwindeigenschaften. Hier zahlt sich offenbar die leichte Bauweise aus: Im Gegensatz zu allen vergleichbaren Booten ist sie nämlich (so wie sonst nur größere und viel teurere Boote) in der aufwändigen Sandwichbauweise hergestellt.

Während andere Boote dieser Größe 1100-1500kg wiegen, kommt die Argo mit 850kg aus - und das bei eher mehr Kielgewicht! Mehr muss man zum seglerischen Potential eigentlich nicht sagen...

Nebeneffekt des geringen Gewichts ist auch die Handlichkeit beim Slippen und Trailern. Ein Polo (75PS) würde die Argo bis zu 8% Steigungen trailern dürfen.

Das letzte Stück nutzten wir den 9,8 PS Tohatsu, der sich als kräftig überdimensioniert erwies. Ein 3-4 PS Außenborder reicht bei einem so schnellen Boot auch.

Unterm Strich erfüllt die Argo nach unserem Eindruck genau das, was auch den bahnbrechenden Erfolg der kleineren c55 aus unserem Programm ausmacht:

- Attraktiv für ALLE Segler, von jung bis alt, von Anfänger bis Crack.

- Handlich bei Slippen und Trailern, um nicht abhängig von Liegeplatzproblemen zu sein

- Schlichtheit und Solidität für ein gutes Preis- Leistungsverhältnis

- Nicht zu letzt: Schöne Linien!

 

Für den Allroundeinsatz empfehlen wir übrigens den Schwenkkiel, da er das Boot vielseitiger macht und in der Praxis der Unterschied zum Liftkiel bei der Steifigkeit kaum feststellbar ist.

Der Liftkiel mit Ballastbombe, der naturgemäß einen etwas tieferen Schwerpunkt und damit effektiveren Hebelarm hat, macht hingegen Sinn, wenn man ausgesprochener Regattasegler ist.

Sollte man erwägen, den Kiel häufiger aufzuholen oder eventuell ´mal (nur unter Großsegel) mit aufgeholtem Kiel zu segeln, ist allein der Schwenkkiel richtig. Denn nur bei ihm bleibt im aufgeholten Zustand die Lateralfläche erhalten, und nur er ist im halb aufgeholten Zustand im Kielkasten fixiert.

Gennaker mit oder ohne Bugspriet